PART®-Trainer:innen-Ausbildung

Die Problematik von Übergriffen ist in vielen Institutionen, in denen Menschen betreut oder behandelt werden, bekannt. Diese stellt für die Mitarbeitenden eine besondere Herausforderung, gewalttätigen Konflikten frühzeitig entgegenzuwirken, sich zu schützen und sich aggressiv verhaltenden Klientinnen/Klienten würdevoll zu begegnen, dar.

Das PART®-Konzept, dessen Ursprünge aus den USA stammen, hat sich in diesen Situationen bewährt und ist in vielen Institutionen Standard. Es wird im deutschsprachigen Raum seit über 25 Jahren in Bereichen wie Jugendhilfe, Behindertenhilfe, Gesundheitswesen, Altenhilfe und öffentlicher Verwaltung eingesetzt.

Im PART®-Konzept geht es in grundlegender und umfassender Weise um die Prävention und Lösung gewalttätiger Konflikte im eigenen Arbeitsfeld - und damit um einen wesentlichen Aspekt der Arbeitssicherheit.

Dabei ist oberstes Ziel:
Die Persönlichkeitsrechte und die Würde der Klientinnen/Klienten zu achten und Sicherheit für alle Beteiligten herzustellen.

Die Multiplikatoren-Ausbildung qualifiziert die Teilnehmenden, PART®-Seminare in der eigenen Institution und Fallberatungen für die Kolleginnen/Kollegen durchzuführen. Sie wird im „Blended Learning-Format“ durchgeführt, dauert neun Tage und findet in zwei Präsenzblöcken, einer halbtägigen Selbstlernphase und insgesamt eineinhalbtägigen Online-Schulungen statt. Informationseinheiten, Selbstreflexionsphasen, Kleingruppenarbeit und Körperübungen zu Beweglichkeit, Selbstschutz und weitergehenden Maßnahmen wechseln sich ab. Dabei werden nur solche Techniken gelehrt, die den Klientinnen/Klienten keine Schmerzen zufügen und sie nicht körperlich schädigen!

Das PART®-Seminar ist kein Selbstverteidigungskurs!

ABLAUF

1. Teil Präsenzblock: Basisseminar mit vertiefenden Inhalten - 10. bis 13. Mai 2022, Ilona Hofmann, Ruth Kubik

2. Teil Online-Schulung: Rechtliche Rahmenbedingungen für körperliche Interventionen und Informationen zum Lernen mit Erwachsenen - 23. Mai 2022, Ilona Hofmann; Imke Wulfmeyer

3. Teil Selbstlernphase: zur Vorbereitung der eigenen Abschlusspräsentation (ca. 3-4 Stunden)

4. Teil Präsenzblock: Abschlusspräsentation, Inhalte zur Tätigkeit und Rolle als Trainer:in, Wiederholung körperliche Interventionen und der Implementierung - 31. Mai bis 02. Juni 2022, Ilona Hofmann, Ruth Kubik

5. Teil Online-Schulung: Unterstützung bei der Vorbereitung von Seminaren und der weiteren Implementierung - 12. September 2022, Ilona Hofmann, Jens Schikora

Nach der Teilnahme an den ersten vier Teilen können bereits Seminare durchgeführt werden, wenn gewünscht und möglich.


Teil 1: BASISSEMINAR MIT VERTIEFENDEN INHALTEN

1.  Geschichte, Hintergrund und Voraussetzungen
Wie entstand das PART-Konzept und wie entwickelt es sich weiter? Auf welche ethische Haltung gründet es sich? Was sind die institutionellen Voraussetzungen?

2. Das Ziel meiner Arbeit

Welches Verständnis haben wir in unserer Institution davon, wie sich unsere Klientinnen/Klienten in Anspannungssituationen verhalten könnten, anstatt aggressiv und gewalttätig zu werden? Können wir die zugrundeliegenden Bedürfnisse der Klientinnen/Klienten verstehen?

3. Professionalität und persönliches Auftreten

Wie kam ich zu dieser Arbeit, was hält mich hier? Wie lautet mein Arbeitsauftrag? Wie sind meine Einstellungen gegenüber meinen Klientinnen/Klienten? Wie beeinflussen meine Stimmungen mein Verhalten gegenüber den Klientinnen/Klienten?

4. Vorbereitung auf die Arbeit mit aggressiver Klientel

Bin ich physisch und psychisch darauf vorbereitet, mit Menschen zu arbeiten, die manchmal gewalttätig werden können?

  • Kleidung: Bin ich mir bewusst, wie ich gekleidet bin und wie sich dies auf meine Reaktionsfähigkeit in einem Notfall auswirkt? Bin ich mir bewusst, welchen Einfluss meine Kleidung auf meine Klientinnen/Klienten hat?
  • Beweglichkeit: Bin ich mir meiner körperlichen Fähigkeiten und Grenzen bewusst? Habe ich dies meinen Teammitgliedern mitgeteilt?
  • Vorausschauende Vorsichtsmaßnahmen: Habe ich genug Informationen über die Klientinnen/Klienten, ihre Problematiken, ihre Ressourcen und ihre derzeitige Verfassung?
  • Beobachtung: Kann ich mich in meiner Umgebung sicher bewegen? Habe ich eine gut entwickelte Beobachtungsstrategie für kritische Situationen?
  • Selbstkontrolle: Habe ich einen effektiven Selbstkontrollplan?


5. Auslöser von Aggression und Gewalt

Kann ich mögliche Auslöser für Aggression und Gewalt feststellen und Alternativen anbieten?

6. Der Handlungsrahmen Krisenintervention

Kann ich den Grad der Gefahr feststellen und welche Interventionen sind angemessen?

7. Krisenkommunikation

Wenn ich auf eine Person reagiere, die mit körperlicher Gewalt droht, wie kann ich durch verbale und nonverbale Krisenkommunikation zur Deeskalation beitragen?

8. Selbstschutzmaßnahmen

Wenn aus einfacher Aggression/Grenzüberschreitung ein körperlicher Angriff wird, können wir Verletzungen dadurch vermeiden, dass wir ausweichen, Angriffe abwehren, uns aus Festhaltegriffen befreien und fliehen?

9. Weitergehende Maßnahmen

Könnte jemand ernsthaft verletzt werden, wenn wir jetzt nicht weitergehende Maßnahmen durchführen? Haben wir genügend ausgebildete Mitarbeitende, um die gewählte Maßnahme auf sichere Art durchzuführen?

10. Nachbereitung

  • Schriftliche Dokumentation: Geben meine Berichte den aggressiven Vorfall und die angewandten oder versuchten Interventionen genau wieder?
  • Nachbesprechung im Team: Welche Folgerungen ziehen wir aus dem Vorfall für den oder die betroffenen Mitarbeitenden, das Team, die Institution, den fachlichen Handlungsplan und den Umgang mit der/dem Klientin/Klienten?
  • Nachbesprechung mit der/dem Klientin/Klienten: Wie können aufgrund der Auswertung des Vorfalls künftige Krisensituationen frühzeitig erkannt und beeinflusst werden? Welche Schritte können unternommen werden, um zukünftig gewalttätige Vorfälle zu minimieren? Wie kann die/der Klient:in daran mitwirken? Welche Sanktionen sind ggf. sinnvoll und nötig?
  • Mitarbeiterfürsorge: Benötigen Mitarbeitende wegen starker emotionaler Betroffenheit weitergehende Hilfen?

 

Teil 2: INFORMATIONEN ZUR ROLLE ALS TRAINER:IN


11. Evaluation

Welche Verhaltensstandards gibt es für Mitarbeitende und wie werden einzelne Kriseninterventionen bewertet?

12. Planung und Durchführung eines Part®-Seminars

  • Hintergrund und Konzept der PART®-Inhousetrainer:in-Ausbildung
  • Prinzipien für das Lernen als Erwachsener
  • Ziele, Planung und Durchführung eines PART®-Basisseminars
  • Auf schwierige Teilnehmende reagieren


13. Weitere Inhalte

  • Rechtliche Rahmenbedingungen für körperliche Interventionen
  • Abschlusspräsentation der Teilnehmenden


Unterstützung nach Abschluss der Ausbildung für Trainer:innen:

  • Kostenlose telefonische Unterstützung bei inhaltlichen Fragen
  • Optionale kostenlose quartalsweise Vertiefung - Körperliche Interventionen
  • Optionale kostenpflichtige Lieferung benötigter Seminarmaterialien
  • Optionale kostenpflichtige Unterstützung zu Beginn der eigenen Seminartätigkeit
  • Alle drei Jahre Auffrischungsseminare für Trainer:innen zum Erhalt des Zertifikats


Rahmenbedingungen:

Jede Ausbildung umfasst das Basisseminar mit vertiefenden Inhalten, Informationen zu den rechtlichen Rahmenbedingungen beim Einsatz von körperlichen Interventionen, Inhalte zur Tätigkeit und Rolle als Trainer:in und eine zeitversetzte Unterstützung bei der Vorbereitung von Seminaren und der weiteren Implementierung, einschließlich der Handbücher, des Trainer:in-Zertifikats, einer Foto- und Videodokumentation der praktischen Übungen sowie weitere Materialien.

Das Trainer:innen-Zertifikat berechtigt dazu, institutionell angepasste PART®-Seminare sowie kollegiale Fallberatungen in der eigenen Institution durchzuführen, das Handbuch für die Teilnehmenden für diese Zwecke zu vervielfältigen und die Seminarteilnahme zu bescheinigen. Eine Seminartätigkeit mit dem Konzept außerhalb der Einrichtung ist nicht erlaubt.

Das Zertifikat wird nur nach vollständiger Teilnahme an den ersten vier Teilen der Ausbildung, einer erfolgreichen Abschlusspräsentation und nach Unterschrift der Verpflichtungserklärung zur Durchführung eigener Seminare, der Aufrechterhaltung des Zertifikats und der Anerkennung der Kernwerte des PART®-Konzeptes „Würde und Sicherheit“ sowie einer respektvollen Haltung den Teilnehmenden und dem Konzept gegenüber erteilt.


Zielgruppe

Die Fortbildung richtet sich an Mitarbeitende der unteren und mittleren Führungsebene, wie Team-, Gruppen-, Haus-, Erziehungs- und Abteilungsleitungen mit langjähriger Erfahrung sowie Personen, die sich auf solch eine Aufgabe vorbereiten wollen. Das Seminar ist auch für Personen geeignet, die neben der Leitungsaufgabe selbst operativ mit Klientinnen/Klienten arbeiten, sich also in dem Spannungsfeld Kollegin/Kollege und Vorgesetzte:r bewegen.

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